|
Die Trachtengruppe Sargenroth
Die typische Hunsrücker Tracht ist bereits früh aus dem Alltagsbild der Hunsrücker verschwunden. Schon im Jahre 1858 beklagte der Hunsrück - Schriftsteller W.O. von Horn in seiner Spinnstube das Verschwinden der für den Hunsrücker Bauern typischen Kleidung. Eine der wenigen Überlieferungen über Art und Beschaffenheit der Sonntagskleidung, hat uns der Bonner Professor Dr. Simrock hinterlassen. Im Zuge eines Besuches des Nunkircher Marktes schrieb er: "Die Hunsrücker Bauern zeigen sich hier in ihrer Feiertracht, schlichtem blauen Tuchrock, langen gelbledernen Hosen, wollenen bis unter das Knie gezogenen Strümpfen und breitem runden Hut; die Weiber in kurzen bauschigem Rock, rotem Halstuche, und hoher weißgesteppter Haube."
Bis heute erhalten geblieben von der Hunsrücker Tracht sind lediglich sorgfältig gehütete Einzelstücke im Hunsrückmuseum in Simmern. Zusammen mit Dokumentationen aus dem Simeonstift Museum in Trier sowie Recherchen in überlieferten Schriften waren die Simmerner Einzelstücke Grundlage einer 2 - jährigen Erforschung der Hunsrücker Tracht durch die Verbandsgemeinde Herrstein. Die umfangreichen Recherchen und die Vielzahl der gesammelten Informationen mündeten in eine wissenschaftliche Examensarbeit der Universität Mainz über das Thema "Heimatliche Trachten um die vorletzte Jahrhundertwende (1800) im Hunsrück".
Im Winter 1984 entsann man sich ebenfalls beim Frauenstammtisch in Sargenroth, dass im vergangenen Jahrhundert auf dem Hunsrück eine Tracht getragen wurde. Um Näheres über die damalige Tracht zu erfahren, wandte man sich an den Leiter des Hunsrückmuseums, Herrn Willi Wagner, wo man viele Informationen über die Hunsrücker Tracht erhielt, aber auch von der Forschungsarbeit der Verbandsgemeinde Herrstein erfuhr. Die Ausarbeitungen von Herrstein dienten der Trachtengruppe Sargenroth in den Folgejahren als Vorlage für die Fertigung ihrer eigenen Tracht. Als kleines Dankeschön wurde von den Sargenrothern eine zusätzliche Tracht (Mann & Frau) als Ausstellungsstück für das Hunsrückmuseum in Simmern hergestellt.
Nachdem man 1985 auf dem Markt das Dreschen auf der Tenne wie vor alten Zeiten aufführte, aber noch ohne Trachtenstücke, begann man im Januar 1986 eifrig mit dem Nähen der Tracht. Für die Männer wurden Hemden aus naturleinen, Jacken aus dunkelblauem Stoff, schwarze Kniebundhosen hergestellt. Dazu kam der runde Hut, Männerstrümpfe und Lederschuhe. Bei den Frauen begann man mit der weißen Jungmädchentracht: weiße Schürze, weißes Tuch, Mieter, grauschwarzer Rock und kleine Haube. 1988 kam die feierliche Frauentracht mit hoher Haube, buntem Tuch, dunkler Schürze und Reibert hinzu.
Schon im April 1986 übte man fleißig erste Tänze ein, so dass die Volkstanzgruppe auf dem Markt 1986 erstmals sich der Öffentlichkeit vorstellen konnte. Es war ein großer Erfolg. Historische Trachten und alte Tänze fanden ungeteilte Anerkennung. Seit 1989 besteht eine Kindertanzgruppe. Bei ihrem ersten Auftritt konnten sie "die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern."
Heute umfasst die Trachtengruppe Frauen, Männer und Kinder. Der Nunkircher Markt mit der Eröffnung am ersten Tag und den Darbietungen am zweiten Tag ist ohne die Mitwirkung der Sargenrother Trachtengruppe nicht mehr denkbar. Die alljährliche Eröffnung des Marktes gestaltet die Trachtengruppe in Form eines kleinen Theaterspiels, mit dem Ziel bereits Verlorenes der Hunsrücker Folklore, d. h. Tänze , Lieder, Sitten und Brauchtum der Hunsrücker Bauern, wieder aufzuarbeiten und allen Interessierten näher zu bringen. Dabei gelingt es immer wieder bei den zuschauenden Menschen bereits vergessen Geglaubtes zu wecken und ihnen eine frohe Zeit zu schenken. Neben Mitgliedern der Trachtengruppe wirken die Jugendlichen des Dorfes mit und sind Freunde der Trachtengruppe eingebunden. Die historische Aufarbeitung der Themen und die Umsetzung in ein Theaterspiel wird von Jürgen Martin durchgeführt; die Regie übernimmt Manfred Dieterich.
Vorläufiger Höhepunkt für die Trachtengruppe Sargenroth war eine gemeinsame Fahrt mit der Trachtengruppe Rheinböllen nach Brasilien. Es wurden Dörfer, Städte und Kolonien Hunsrücker Auswanderer besucht. Im Rahmen der Darbietung der Hunsrücker Folklore konnten, durch Trachtentänze, Theaterspiel, Mundartgedichte und Hunsrücker Volkslieder, deutschstämmige Menschen erfreut werden, die keine eigene Kultur haben und von dem Zehren was aus ihrer alten Heimat überliefert ist. Es haben Hunsrücker "Hunsrücker" getroffen, es wurden Freundschaften geknüpft, die durch weiteren Briefwechsel und vielleicht auch einmal durch einen Brasilienbesuch im Hunsrück zukünftig gepflegt werden.
Die Trachtengruppe steht unter der gemeinsamen Leitung von Eveline Martin, Renate Dieterich und Willi Hornberger.
|